20. Februar 2019

Vilomix Fachgespräch erstmalig auf Gut Altona

Vilomix Fachgespräch erstmalig auf Gut Altona

Traditionelle Fachtagung in neuen Räumlichkeiten

Das traditionell seit über 40 Jahren stattfindende Vilomix-Fachgespräch fand in diesem Jahr erstmals auf Gut Altona in Dötlingen statt. Erst im Oktober letzten Jahres war das Tagungshotel wiedereröffnet worden, nachdem es im September 2016 durch einen verheerenden Brand größtenteils zerstört wurde. In den modernen und großzügig eingerichteten Räumlichkeiten begrüßte Geschäftsführer Dr. Bernhard Wesseling die angereisten Gäste. Er freute sich auf interessante Vorträge und den anschließenden Meinungsaustausch mit Referenten und Zuhörern.

In seiner Begrüßung ging Dr. Wesseling auf die Feier zum 100jährigen Jubiläum des DVT und die Ansprache von Prof. Kamphues ein. Trotz der vielen Schlagzeilen in den letzten Jahren sei Kamphues zu der Erkenntnis gekommen, dass der vorhergesagte Untergang nicht stattfinden werde. Es gäbe aber große Herausforderungen wie u.a. die globale Bevölkerungsentwicklung mit steigendem Bedarf an Nahrungsmitteln und die Verfügbarkeit von Futtermitteln mit teils stark schwankenden Rohstoffpreisen, auf die die Futtermittelindustrie reagieren müsse.

"Aktuell können wir verfolgen, wie die gesellschaftliche Debatte um die Tierhaltung die Branche bewegt. Global gesehen bleibt die Frage der Effizienzsteigerung in der Tierhaltung entscheidend und es besteht kaum Interesse an Tierwohl-Themen." so Dr. Wesseling. "In Deutschland wird hingegen intensiv nach Lösungsansätzen gesucht, um langfristig eine Tierhaltung betreiben zu können, die von den Verbrauchern akzeptiert wird."

Hierzulande erschwerten im vergangenen Jahr Niedrigwasserstände den Schifftransport oder brachten die Binnenschifffahrt teilweise zum Erliegen. Das führte nicht nur zu steigenden Treibstoffkosten, auch die Rohstoffversorgung für die Herstellung einiger Zusatzstoffe war davon betroffen. Steigende Transportkosten durch Maut und Treibstoff betreffen den gesamten Futtermittelsektor. Die Endprodukte der  tierischen Erzeugung müssen diese zunehmenden Kostenbelastungen tragen.

Zudem schwebt weiterhin die drohende Afrikanische Schweinepest mit ihren unter Umständen katastrophalen Auswirkungen über der Wertschöpfungskette. Hinzu kommen die Folgen der Stoffstrombilanzen und die Fragen um die praktische Umsetzung der Dünge-VO vor allem für die Veredlungshochburgen.

Die Hersteller von Tiernahrung haben es in der Vergangenheit jedoch immer geschafft, sich auf neue Situationen einzustellen und Lösungsansätze zu bieten.

Auf der letzten Messe Eurotier wurden viele Impulse in dieser Hinsicht gesetzt. Allerdings fehlen teilweise noch die verlässlichen, politischen Rahmenbedingungen für Investitionen in die Zukunft.

Marktaussichten für Futtermittel und Landwirte

Als Tagungsleiter gab Dr. Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen einen Überblick über die aktuelle Marktlage für Futtermittel und tierische Produkte.

Getreidemarkt

Ein nasser Herbst 2017 mit schlechten Aussaatbedingungen führte dazu, dass die Anbau­fläche von Wintergetreide in Niedersachsen um 12 % kleiner ausfiel als im Vorjahr. Die aus­geprägte Trockenheit, die insbesondere im nördlichen und östlichen Landesteil schon die Ausmaße einer Dürre annahm, ließ dann auch noch die Hektarerträge für Getreide um zirka 20 % gegenüber 2017 sinken. Insgesamt wurden in Niedersachsen nur 4,7 Mio. t Getreide geerntet, so wenig wie seit 1976 nicht mehr. Bedingt durch die auch global geringere Ernte­menge konnten die Erzeugerpreise zwar zulegen, aber die Ertragsminderung nicht vollständig ausgleichen.

Preis-Kosten-Relation Tierhaltung Jahresvergleich, Hortmann-Scholten

Milchmarkt: Kosten steigen stärker als die Erlöse

Nach dem Dürrejahr 2018 haben sich viele Betriebsmittelpreise im zweiten Halb­jahr 2018 spürbar verteuert. Die rückläufige Milchanlieferung könnte die Preise zumindest im ersten Halbjahr 2019 stabilisieren. Seit dem Herbst 2018 wird der Roh­stoff Milch in Deutschland allerdings zunehmend knapper und die Anlieferungsmengen fielen unter die Vorjahreslinie zurück. Dieser Trend dürfte sich aufgrund der angespannten Grundfuttersi­tuation in vielen Milchviehbetrieben möglicherweise bis zum Beginn der Weidefutterperiode im Frühjahr 2019 fortsetzen.

Dürrebedingt ist bei den wesentlichen Kostenblöcken in der Milcherzeugung ein rapider Anstieg der Kosten zu beobachten. So haben sich z.B. die Preise für Milchleistungsfutter gegenüber dem Vorjahr um nahezu 19 % erhöht, die Preise für Rapsschrot stiegen um fast 26 % an. Grundfutter war derart knapp, dass z.B. im Jahresvergleich Grassilage um 33 % teurer ge­worden ist. Maissilagen verteuerten sich trotz wesentlich schlechterer Qualitäten im Mittel um 20 %.

Dennoch gibt es zu Beginn des Jahres 2019 an den Rohstoffmärkten auch positive Signale.

Von den ursprünglichen rund 380.000 t Magermilch konnten bis Ende 2018 etwa 278.000 t Magermilchpulver aus der Intervention verkauft werden, zuletzt zu steigenden Preisen.

Gleich zu Beginn des Jahres 2019 wurden erneut rund 80.000 t Magermilchpulver aus den Interventionslägern der EU veräußert. Somit sind die Interventionsläger zu Beginn des Jahres 2019 fast vollständig geräumt. Magermilchpulver in Lebensmittelqualität ist sehr ge­fragt. Aktuelle Notierungen von Sprühware in Lebensmittelqualität liegen trotz der großen Menge an freiwerdender Lagerware mittlerweile wieder deutlich über Interventionspreis­niveau. Ab Februar 2019 greift das Freihandelsabkommen mit Japan (JEFTA), wovon auch der EU Milchmarkt profitieren dürfte.

Aus Übersee kommen ebenfalls positive Impulse. An der Global Dairy Trade stieg der Preis­index in den Wintermonaten deutlich an. Mit diesen positiven Aussichten ist auch ein Anstieg der Erzeugerpreise denkbar.

Schweinemarkt mit strukturellen Überschüssen

Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass die globale Fleischproduktion 2019 noch einmal steigen wird, jedoch etwas weniger als im Jahr 2018. Zugleich gewinnt der Außenhandel weiter an Bedeutung, wobei der Abstand der USA zur EU immer größer wird. In den USA setzt sich der Anstieg der Produktion voraussichtlich trotz teilweise extrem niedriger Schweinepreise weiter fort. Im September 2018 wurden in den USA 75 Mio. Schweine gehal­ten, 3 % mehr als im Vorjahr. Innerhalb der letzten 5 Jahre erhöhte die USA ihren Schweine­bestand damit um 8,6 Mio. Tiere bzw. 13 %. Im Zeitraum von September 2018 bis Februar 2019 werden laut dem US-Landwirtschaftsministerium voraussichtlich ca. 6,3 Mio. Zuchtsau­en abferkeln, es wären 1,8 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit ist ein weiteres Wachs­tum in 2019 vorprogrammiert. Die US-Schlachtschweineproduktion soll im nächsten Jahr rund 4,5 % zulegen. Indirekt wird das Weltschweinepreisniveau damit ausgehend von den US-Amerikanern und den exportorientierten Kanadiern weiter unter Druck geraten.

Spätestens im 2. Halbjahr 2019 wird die EU Produktion sinken. Gleichzeitig dürfte die Schweinefleischnachfrage aus Asien steigen. Das Damoklesschwert der „Afrikanische Schweinepest“ macht verlässliche Markt- und Preisprognosen für 2019 äußerst schwierig. Ein zu erwartender Ausbruch in Deutschland würde die Gesetze des Marktes komplett aus­hebeln. Fest steht allerdings, dass höhere Anforderungen an den Tier- und Umweltschutz zu kostenbedingten Wettbewerbsverzerrungen führen werden.

 

Tagungsfolge und Referenten:

10.00 Uhr  Begrüßung der Teilnehmer

Dr. Bernhard Wesseling

 

10.20 Uhr  Neue Erkenntnisse zur N- und P-reduzierten Schweinefütterung

Andrea Meyer - LWK Niedersachsen, Hannover

 

VILOFOSS® NutriSpar® Lösung zur N- und P-reduzierten Schweinefütterung

Iris Heyer - Deutsche Vilomix

 

11.45 Uhr  Motivierende Mitarbeiterführung

Prof. Dr. Ralf Lanwehr -  FH Südwestfalen

 

12.45 Uhr  Mittagessen

 

14.30 Uhr  Hey du Bauer, sag doch einfach wer du bist!

Dirk Nienhaus -  Bocholter Landschwein, Bocholt

 

15.45 Uhr  Kaffeepause


16.15 Uhr  Extrem-Wetter und Klimawandel – Was erwartet uns für die Zukunft?

Frank Böttcher -  Wetterexperte und Moderator

 

19.00 Uhr  Empfang im Foyer mit anschließendem Abendessen

 

 

Titelfoto von links:

Dr. Andreas Dreishing (GF), Dirk Nienhaus, Iris Heyer, Prof. Dr. Ralf Lanwehr, Andrea Meyer, Frank Böttcher, Dr. Albert Hortmann-Scholten, Dr. Annabell Hardinghaus (GF), Dr. Bernhard Wesseling (GF)

 

 

Vilomix Fachgespräch auf Gut Altona im Januar 2019

Foto vom Tagungsraum auf Gut Altona in Dötlingen