Welche Ursachen führen bei Pferden zu einer Proteinunterversorgung?
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Aktuelles zur Proteinunterversorgung

Bis vor einigen Jahren war die einhellige Lehrmeinung, dass die Proteinversorgung eines Pferdes problemlos aus dem Grundfutter zu decken ist. Das hat sich grundlegend geändert.

Was aber hat dazu geführt, dass eine Unterversorgung mit Protein heute keine Ausnahme mehr darstellt, sondern oft und zunehmend anzutreffen ist?
  1. Eine zunehmende Extensivierung des Grünlands in den letzten 20 Jahren führte zu einer starken Reduktion der Stickstoffdüngung und zum Teil deutlich späteren Schnittzeitpunkten. Auswertungen von Heuanalysen zeigen neben einem signifikanten Rückgang des Proteingehalts um bis zu 40% (Lufa Nordwest: 20159,4 % Rohprotein i.d.TS;2025: 7,6% Rohprotein i.d.TS) auch ein Absinken des dünndarmverdaulichen Proteins. Diese Tendenz ist ungebrochen.

  2. Lagen Fütterungsempfehlungen für Heu vor rund 20 Jahren noch bei 0,5-1% des KG, liegen diese heute bei 1,5-2% des KG. Daraus resultiert, dass heute mehr Heu mit einem deutlich geringeren Proteingehalt gefüttert wird. In Kombination mit geringeren Kraftfuttermengen ergibt sich in der Tagesration deutlich weniger Protein, das den Bedarf deines Pferdes oft nicht deckt.

  3. Pferde erreichen heute ein wesentlich höheres Alter. Oft ist dies mit Zahnverlust verbunden, so dass die Pferde kein Heu mehr fressen können und der Faserbedarf über Trocknungsprodukte wie Heucobs gedeckt werden muss. Durch die technische Trocknung der Cobs bei Temperaturen von in der Regel über 100°C verändert sich die Struktur der Proteine, die Dünndarmverdaulichkeit der Aminosäuren sinkt deutlich ab.

  4. Aufgrund Erkrankungen wie Insulinresistenz, EMS, Cushing, PSSM etc. - oder auch des Wunsches der Besitzer - werden viele Pferde heute getreidefrei gefüttert. Dem Vorteil einer zucker- und stärkereduzierten Fütterung steht allerdings die Gefahr einer Unterversorgung an Protein bzw. Aminosäuren gegenüber. Getreidefreie Futter enthalten einen hohen Anteil getrockneter Komponenten, so dass eine zusätzliche Proteinergänzung essenziell ist.

  5. Aufgrund von Problemen der Atemwege oder zur Reduzierung des Zuckergehalts bei Stoffwechselerkrankungen wie Cushing, PSSM, EMS etc. wird Heu vor der Fütterung zunehmend gewässert bzw. bedampft.

Neben der erwünschten Auswaschung der Staubpartikel bzw. des Zuckers (5-15%) kommt es bei 15-minütigem Wässern auch zu einer Reduktion an Mineralstoffen und Proteinen (30-35%).

Beim Bedampfen bleiben die Gehalte der Mineralstoffe erhalten, allerdings reduziert sich auch hier die Verfügbarkeit des Proteins deutlich, wie Untersuchungen von Kienzle et al., 2023 belegen.

 

Die Beispiele verdeutlichen, dass sich in Bezug auf die Proteinversorgung unserer Pferde in den letzten Jahren einiges getan hat – allerdings nicht zum Guten.